„tanz!leonhard“
von Annelie Mattheis • Kategorie: Essays • Ausgabe: 8.1 - Phänomene der Gegenwart - Gegenwart als PhänomenKaugummis, Flaschendrehen und coole Klamotten sind die Themen, die die Hauptschüler aus St. Leonhard interessieren. Sie finden Britney Spears doof, „weil sie wegen Drogen ihre Kinder weggenommen bekommen hat”, und diskutieren, ob Paris Hilton eine „Schlampe” ist, wenn sie sich beim Einsteigen in ein Taxi ohne Unterhose fotografieren lässt.
„tanz!leonhard” ist eine Collage der ‚Dos‘ und ‚Don’ts‘, der Wünsche und Träume der SchülerInnen von zwei Nürnberger Hauptschulen im Brennpunkt Stadtteil St. Leonhard. Die Tanztheaterproduktion gibt einen vielschichtigen Einblick in ihre (Jugend-)Kultur und die Themen, die sie bewegen. Sie spielen Fangen und Klatschspiele, aber ihr größter Wunsch ist ein Laptop. Sie wollen cool sein, sie wollen sexy sein und sie wollen „Schlampe” sagen dürfen. Sie haben Handys und mindestens einen MP3-Player. Sie sind kurz davor erwachsen zu sein und können es kaum erwarten ihre Kindheit endlich abzulegen.
In Samir Akikas Produktion dürfen die Jugendlichen so sein wie sie sich gerne sehen möchten - sie tanzen, konkurrieren, wer die größte Kaugummiblase machen kann, erzählen von ihren Berufswünschen und unterhalten sich über den richtigen Style. „tanz!leonhard” gibt ihnen einen Artikulationsraum für ihre Sicht auf die Welt, auf ihr Leben.
Samir Akika, der Choreograf der Produktion „tanz!leonhard” wurde 1967 in Algerien geboren und ist in Frankreich aufgewachsen. Er hat, ebenso wie die meisten HauptschülerInnen aus St. Leonhard, multikulturelle Wurzeln. Akika, der zunächst Sport studiert, entdeckt seine Leidenschaft für den Tanz durch eine Videoaufzeichnung von Pina Bauschs Choreografie „Frühlingsopfer”. Er beginnt ein Tanzstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen und kann 1997 zum Abschluss seines Studiums in Pina Bauschs Frühlingsopfer-Choreografie tanzen. Bereits in seinem letzten Studienjahr entstehen Choreografien für das renommierte Folkwang-Tanzstudio. 1999 gründet er in Essen die Kompanie „Les Petits Poissons” und wird mit seiner Arbeit „Geronimo” zur Tanzplattform „Deutschland 2000″ in Hamburg eingeladen. 2001 erhält er den Kurt Jooss Förderpreis, 2004 den Förderpreis der Stadt Düsseldorf. Bis 2008 entstehen zahlreiche hoch gelobte Choreografien u. a. in Kuba und Südafrika. Akikas jüngste Tanztheaterproduktion „Extended Teenage Era” war im Januar in der Tafelhalle Nürnberg zu Gast. „tanz!leonhard” ist, nach einer Arbeit mit Kindern aus einem Waisenhaus in Südafrika, Samir Akikas zweite Arbeit mit Jugendlichen.
Im Sommer 2007 startete die Tafelhalle das Modellprojekt „tanz!leonhard” in Kooperation mit den beiden Hauptschulen des Nürnberger Stadtteils St. Leonhard. In der Carl-von-Ossietzky Hauptschule und der Hauptschule St. Leonhard fanden im Juli 2007 zwei kostenlose Hip Hop-Probetrainings statt. Teilnehmen konnten alle Tanzinteressierten der beiden Schulen - und davon gibt es in St. Leonhard einige. Ungefähr 80 Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren, deren Familien nicht nur aus Deutschland, sondern vor allem aus der Türkei, Serbien, Italien, Osteuropa und Afrika stammen, kamen zu den Probestunden. Einzige Bedingung für die Aufnahme in das „tanz!leonhard”-Projekt war die zweimalige Teilnahme an den Probetrainings. Vorkenntnisse im Tanzbereich waren nicht erforderlich. Wer regelmäßig zum Training kam, war dabei und konnte kostenlos an einem vielfältigen Begleitprogramm und an der Aufführung im April 2008 in der Tafelhalle Nürnberg teilnehmen.
Im September 2007 begann die Zusammenarbeit mit noch 30 interessierten Jugendlichen, die an beiden Probetrainings teilgenommen hatten und motiviert waren, in den nächsten Monaten regelmäßig zu trainieren. Ein wöchentliches Hip Hop-Training bei der Heilpädagogin Martina Ruß, Vorstellungsbesuche in der Tafelhalle und im Kulturforum Fürth, sowie Workshops, eine Filmsichtung und ein Besuch beim Tanztheater Nürnberg umfasste das Förderprogramm für die Jugendlichen aus St. Leonhard.
Im Oktober 2007 besuchte Samir Akika dann zum ersten Mal ein Training der St. Leonharder Jugendlichen. Innerhalb von 45 Minuten erarbeitete er mit den SchülerInnen tänzerische Szenen, in denen sie sich selbst ausdrücken konnten. Sie erhielten unter anderem die Aufgabe, ihr Lieblingswort in ihrer Muttersprache mit verschiedenen Körperteilen in die Luft zu schreiben - mit dem Ohr, dem Ellenbogen, dem Knie, dem Mund oder der Hüfte. Samir Akika arrangierte das vorgefundene Material und gab so einen Einblick, wie er ab Januar mit den Jugendlichen arbeiten würde.
Doch bis zu den Proben mit Samir Akika und zu der Vorstellung in der Tafelhalle war es ein langer Weg, ein vielschichtiger (Entwicklungs-)Prozess, der wesentlich mehr umfasst als nur das Endprodukt der Vorstellung. Gleich zu Beginn der Zusammenarbeit besuchten die Jugendlichen ein Training des Tanztheaters Nürnberg. Beeindruckt von der Führung durch das Opernhaus und den Fähigkeiten der TänzerInnen ergaben sich viele Fragen, die im Anschluss von den Profis beantwortet wurden. „Seid ihr berühmt?”, „Habt ihr Kinder?”, „Gibt es ein Paar bei Euch?”, „Wie viel verdient ihr?”, „Ist das schwer?” - weniger fachspezifisch, jedoch überaus aufschlussreich waren die Fragen der Jugendlichen, um einen Einblick zu bekommen, was für sie wichtig ist und was sie bewegt.
Außerdem besuchten die Jugendlichen ab Oktober 2007 in der Tafelhalle Nürnberg international renommierte Tanztheaterproduktionen, wie beispielsweise die Produktionen „Import/Export” von „Les Ballets C. de la B.”, das 2007 zusammen mit der belgischen „Compagnie Rosas” von der Fachzeitschrift „balletttanz” zum Tanztheater des Jahres gekürt wurde. Weiterhin auf dem Programm standen Gastspiele von Christoph Winklers „Tales of the Funky B-Boys & Break Girls”, die mit einer Einladung zur Tanzplattform 2008 ausgezeichnete Produktion “E-Motion” von 2nd ID, sowie die jüngste Produktion von Samir Akika/ Renegade Theatre “E.T.E. - Extended Teenage Era”. Weiterhin sahen die Jugendlichen aus St. Leonhard im Kulturforum Fürth eine Vorstellung der Hubbard Street 2.
Für einige von ihnen waren es die ersten Theaterbesuche in ihrem Leben, für fast alle die erste Begegnung mit zeitgenössischem Tanz. Dabei entstanden vielfältige Fragen, beginnend bei „Warum darf man im Theater kein Kaugummi kauen?” oder „Warum muss ich meinen MP3-Player an der Garderobe abgeben?” bis hin zu Fragen über Realität und Fiktion im Theater und die Bedeutung von zeitgenössischem Tanz.
Neben dem wöchentlichen Hip Hop-Training bei Martina Ruß erhielten die Jugendlichen Workshops bei regional und überregional angesehenen ChoreografInnen wie Alexandra Rauh, Beate Höhn, Takao Baba oder auch Niranh Chanthabouasy aka Lil’ Rock. Die Workshops reichten von Hip Hop über Improvisation bis hin zu Sprachübungen und erweiterten dadurch das Verständnis für den Umgang mit dem eigenen Körper. Die wöchentlichen Trainings, Workshops und Vorstellungsbesuche wurden von engagierten Lehrerinnen der Carl-von-Ossietzky Hauptschule und der Hauptschule St. Leonhard über den gesamten Zeitraum hinweg begleitet. Die Rektoren waren von den Entwicklungsmöglichkeiten, die ein solches Projekt ihren Schülern bieten kann, begeistert und standen zu jeder Zeit hinter der Kooperation mit der Tafelhalle Nürnberg.
Eine sechswöchige Intensivprobenzeit à zwei und vier Wochen stand Samir Akika mit den Jugendlichen von den beiden Nürnberger Hauptschulen aus St. Leonhard schließlich zur Verfügung. In dieser Zeit erarbeitete er mit ihnen eine abendfüllende Tanztheaterproduktion, in der sich die Jugendlichen mit ihrem Leben, ihren Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzen konnten. Neben der Schule und in den Osterferien probten sie fünfmal in der Woche jeweils fünf Stunden mit dem Choreografen. Dabei begaben sie sich auf die Suche nach einem eigenen Bewegungsrepertoire, Geschichten und Ausdrucksformen. Auf der Basis ihrer Erfahrungen, Interessen und Biografien wurde ein Einblick ermöglicht in das, was die Jugendlichen bewegt. Sie präsentieren die Welt, in der sie leben, aus ihrer Perspektive; die Dinge, die für sie wichtig sind und mit denen sie sich identifizieren. Ihre Weltwahrnehmung steht stellvertretend für viele Hauptschüler aus vergleichbaren sozialen Brennpunkten.
Im Januar 2008 begann für die Jugendlichen die erste zweiwöchige Probenphase. Zwischen den 18 Jugendlichen und Samir Akika entwickelte sich sehr schnell ein Vertrauensverhältnis. Alle wollten ihre Geschichten in das Mikrophon sprechen oder ihre selbst erarbeiteten Bewegungen vorführen. Diese erste Phase endete mit einer Arbeitspräsentation vor den Lehrenden der beiden Hauptschulen, die bewegt waren von den Geschichten, die die Jugendlichen auf der Bühne erzählen, den neu entstandenen Ausdrucksmöglichkeiten und dem Selbstbewusstsein mit dem sich ihre SchülerInnen auf der Bühne präsentieren.
Mitte März begann für Samir Akika und die HauptschülerInnen aus St. Leonhard die zweite Probenphase. Anders als bei vielen zur Zeit entstehenden Tanztheaterproduktionen mit Jugendlichen ging es Samir Akika nicht darum, mit den Jugendlichen eine bereits fertige Choreografie einzustudieren, sondern ihnen selbst die Möglichkeit zu geben, ein Bewegungsrepertoire zu entwickeln und Themen auf die Bühne zu bringen, die ihnen wichtig sind. Samir Akika versteht die Jugendlichen dabei stets als ebenbürtige Persönlichkeiten; dieser Umstand spiegelt sich auch in der Offenheit der Jugendlichen wider, wenn sie auf der Bühne private Erlebnisse und Geschichten erzählen.
Wer bin ich? Wo komme ich her? Was ist mir wichtig? Was will ich einmal werden? Wovon träume ich? Wie stelle ich mir mein Leben im Alter von 25 Jahren vor? Das sind Fragen, die Samir Akika den TänzerInnen gestellt hat und deren Antworten in der Produktion „tanz!leonhard” sowohl in Bewegung als auch in Sprache umgesetzt werden. „Ich bin cool und ehrlich.” „Ich bin stylisch”, sagen die Jugendlichen über sich selbst. Während der Aufführung werden ihre Mottos gemeinsam mit einem Bild von ihnen, ihren Schulnoten, einem Zeugniskommentar ihrer LehrerInnen und ihrem Berufswunsch auf eine große Leinwand auf der Bühne projiziert. Mathe: ungenügend, Deutsch: ausreichend, Sport: sehr gut. „Die Schülerin meldet sich selten und redet viel mit ihrer Nachbarin”. So und ähnlich sehen Zeugnisse der HauptschülerInnen aus St. Leonhard aus. Was sie mal werden wollen? „Tierarzt oder falls das nicht klappt so wie Samir - Tanzchoreograf”. Einige träumen von einem Job als Erzieherin oder als Kellnerin, weil man da so viel Geld verdienen kann. Ansonsten wäre eine Karriere als Kassiererin auch nicht schlecht. Ganz wichtig ist den Jugendlichen, einen Partner zu finden, der sie so akzeptiert wie sie sind. „Mein Freund soll mich lieben wie ich bin, auch mit dem kleinen Bäuchlein”, sagt Melissa. Yasemin wünscht sich mit 25 Jahren bereits mehrere Kinder. Ihr Mann sollte nett sein, die Kinder nicht schlagen und keine Drogen nehmen. Sie möchte in der Nähe ihrer Eltern leben, damit diese auf die Kinder aufpassen können, wenn sie mal ausgeht. Auch der zwölfjährige Stefano wünscht sich Kinder, aber er möchte lieber welche adoptieren, weil „Kinder machen eklig ist”.
Einen ganz besonderen Stellenwert nehmen die Familie und Geschwister für die Jugendlichen ein. Es werden Bilder von Fatous Mutter, ihrer Schwester und der Hochzeit ihrer Nachbarin projiziert. Stefano hat ein Bild von seiner Zwillingsschwester mitgebracht - beide sind ca. zwei Jahre alt und schauen mit großen Augen händchenhaltend in die Kamera. Seine Zwillingsschwester ist für ihn die wichtigste Person in seinem Leben, weil sie ihn immer getröstet hat, wenn er traurig war. Geschwister, Cousins und Cousinen sind neben Popstars die Vorbilder der Jugendlichen, weil sie „selbständig sind”, „einen guten Schulabschluss machen”, „gut tanzen können” oder „eine Hammer-Frau” haben.
Gerade in der Endphase steigt die Spannung und Nervosität, zum ersten Mal in der knapp einjährigen Zusammenarbeit werden unter den Jugendlichen Wertgegenstände gestohlen. „Während der letzten Probentage in der Tafelhalle verschwinden: ein Handy, eine Spiderman-Mütze, ein MP3-Player. Der Ball des vierjährigen Mali, Sohn der Projekt-Assistenten, geht kaputt, die Wand hinter dem Videoscreen auf der Bühne hat jetzt ein Loch”, so der Text einer Projektion der Produktion „tanz!leonhard”. Am Vorstellungsabend zeigen sich die Jugendlichen dann aber genau so, wie sie gerne wären: „Ehrlich, cool und überhaupt keine Spur von Lampenfieber. Was die Hauptschüler von St. Leonhard bewegt: Premiere in der Tafelhalle beeindruckt durch unverstellte Authentizität”, so lautete der Titel der Rezension über „tanz!leonhard” von Regina Urban in den Nürnberger Nachrichten am 14. April 2008.
Neben der tänzerischen Umsetzung von Szenen aus dem alltäglichen Leben der Jugendlichen, wie z.B. Flaschendrehen und Kaugummikauen, wird bereits zu Beginn der Inszenierung v.a. die kulturelle Vielfalt der Jugendlichen thematisiert, wenn sie sich in einem Kreis sitzend über ihre Herkunft, ihren Glauben und über familiäre Besonderheiten austauschen. Melisa erzählt, dass ihre Familie fastet, damit „man weiß, wie es sich anfühlt, arm zu sein”. Esra erklärt, dass sie sich gegen das Kopftuchtragen entschieden hat, damit sie im Sommer ins Schwimmbad gehen kann. Am Weihnachtsabend legt Stefanos Mutter immer Mandarinen und Nüsse auf den Tisch. Er hat noch drei weitere Geschwister und „Geschenke sind bei ihnen nicht so wichtig”.
Spielerisch aber auch tänzerisch ist die „Style-Szene”, in der die Jugendlichen wie Topmodels über die Bühne laufen. Sie verraten nicht nur die angesagtesten Stylingtipps für den Sommer, sondern geben damit zugleich Aufschluss über ihr Rollenverständnis und die Bedeutung von Äußerlichkeiten in ihrem Leben. „Chucks” sind in. Am besten sind „Allstars”. Markenkleidung ist ein absolutes Muss - wirklich cool ist nur, wer auch das entsprechende Outfit hat. Und da gibt es noch viel zu lernen. Die Mädchen und Jungs geben sich gegenseitig Tipps für einen besseren Style. Mehr als drei Farben zu kombinieren geht gar nicht, erklärt Esra, „denn sonst sieht es einfach scheiße aus”. Unbedingt empfehlenswert für den Jungen zwischen zwölf und 17 sind in diesem Sommer tief sitzende Hosen, bei denen man die Boxershorts sehen kann, Lederjacken, Würfelketten und absolut unabdingbar: gestylte Haare. Umgekehrt wollen Jungs die Mädchen in engen Hosen sehen, „damit man sieht wie sich der Arsch bewegt” - und dazu Tops, in denen „man die Brüste sehen kann”.
Dies sind nur einige Szenen aus Samir Akikas gefeierter Tanztheaterproduktion „tanz!leonhard”, die im Auftrag der Tafelhalle Nürnberg im Rahmen des Großraumfestivals „tanzen!08″ am 12. April 2008 ihre Premiere hatte. Die Vorstellungen stellen aber nur einen Höhepunkt in der fast einjährigen Zusammenarbeit und Förderung der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 16 Jahren dar. Mindestens ebenso wichtig scheint in diesem Zusammenhang die zuvor geleistete Körperarbeit mit den Jugendlichen zu sein, die nicht nur dazu beigetragen hat, Teile ihrer Persönlichkeit zu offenbaren, sondern auch sich selbst zu positionieren und sich zu den Anderen in der Gruppe zu verhalten.
Zeitgenössischer Tanz stellt eine große Chance für die tanzpädagogische Arbeit mit Jugendlichen dar, da sie - wie Samir Akikas Produktion - zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann. Fantasie, Koordinationsvermögen, Disziplin und Offenheit werden gefordert und zugleich gefördert. Neben Spaß an Bewegung werden Teamfähigkeit und Selbstvertrauen geschult. Ein weiteres Potential von zeitgenössischem Tanz liegt - wie die „tanz!leonhard”-Produktion gezeigt hat - in der Entwicklung von sowohl individuellen Ausdrucksformen als auch einer gemeinsamen Bewegungssprache, die sprach- und kulturübergreifend funktioniert.
Mit Samir Akika hat die Tafelhalle einen Choreografen gewonnen, der sich mit den Jugendlichen und ihrer Lebenswelt auseinandersetzt. Anders als bei vielen derzeit entstehenden tanzpädagogischen Projekten mit Jugendlichen entstand so eine Produktion, die auf die Jugendlichen eingeht und sie und ihre Themen in den Mittelpunkt stellt. In Kombination mit einem langfristig angelegten regelmäßigen Tanztraining und durch verschiedene Workshops wurden Bewegungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen angeboten, die die Jugendlichen auch über die Tanzproduktion hinaus für sich nutzen können. Der regelmäßige und zugleich kostenlose Besuch von Tanztheatervorstellungen, und damit die Auseinandersetzung mit dieser Kunstform hat zu einer Erweiterung des Seh- und Wissenshorizontes geführt, die den Jugendlichen aufgrund finanzieller Beschränkungen sonst nicht möglich gewesen wäre. 18 Jugendliche haben fast ein Jahr lang kontinuierlich zusammengearbeitet. In dieser Zeit haben sie sich enorm weiterentwickelt, sind selbstbewusster geworden, haben neue soziale Kontakte geknüpft und ihre Meinungen und Ansichten auf einer öffentlichen Bühne behauptet. Sie haben vielfältige Erfahrungen gesammelt und neue Aspekte ihrer Persönlichkeiten kennengelernt, die sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten werden.
Weitere Informationen unter:
http://web.mac.com/samir_akika/E.T.E./Modellprojekt_st_leonhard.html


