Orientierungsloses Umherblicken. Was passiert? Ich stehe mitten auf der Bühne, die Eintrittskarte noch in der Hand, vergebens nach der Reihe eins suchend, wo angeblich mein Sitzplatz sein soll. Neben mir, ebenfalls auf dem braunen Holz der Bühne, befinden sich Zuschauergruppen, die von Technikern direkt auf die Bühne der Berliner Volksbühne geführt wurden. Die Scheinwerfer sind auf das Publikum gerichtet. Die Flucht in den Zuschauerraum ist nicht mehr möglich. Wir sind im Rampenlicht. Die Scheinwerfer blenden. Plötzlich stehen die Schauspieler neben uns, begrüßen uns, sprechen uns direkt an, stellen sich der Reihe nach mit ihren realen Namen vor, erklären den Ablauf des Theaterabends und versichern: „Sie können machen, was Sie wollen!”
Nach diesem Motto ist auch die ganze Aufführung Kaprow City (2006) von Christoph Schlingensief organisiert. Das Publikum bewegt sich frei durch eine begehbare Installation, die aus zwei sich gegenläufig drehenden kreisförmigen Scheiben besteht. Sie erweist sich als ein monströses, unüberschaubares Gebilde aus achtzehn größeren und zwölf kleineren Räumen. Der Zuschauer wird nach bestimmten Zeiteinheiten durch Gongschläge, sich auf der drehenden Bühne befindlichen Techniker und Schauspieler immer wieder aufgefordert weiterzugehen - „Bitte gehen Sie jetzt weiter”. Den ganzen Beitrag lesen »