Kategorie ‘Essays’

Rätselhaftes Russland

von Jörn Münkner • Datum: 11. März 2010 • Ausgabe: 10.1 - Fremdheit

Russland könne man nur verlassen, konstatiert Ingo Schulze 1995 in seinem Erzählband 33 Augenblicke des Glücks. Ein verrücktes Land, dieses Riesenreich im Osten. Zwar gäbe es Glücksmomente, doch brauche es großes Glück, damit sie einem widerfahren. Den ganzen Beitrag lesen »



Ästhetik der Imagination

von Denis Leifeld • Datum: 20. November 2008 • Ausgabe: 9.1 - Ethik und Ästhetik

Subjektivität und Verantwortung in der Kunst des 20. Jahrhunderts

Wenn ich vor einem abstrakten Gemälde stehe, kann ich nie bei ihm bleiben - meine Gedanken beginnen zu schweifen, lösen sich von dem sinnlich Erscheinenden und tauchen in persönliche Bildwelten ein. Gerade bei den Action Paintings Jackson Pollocks, jenen monumentalen Drippings, die der amerikanische Künstler zwischen 1947 und 1950 gemacht hat, verselbstständigt sich meine Wahrnehmung. Da die Gemälde sich jeglicher erkennenden Interpretation verweigern und auf die abbildende Funktion von Kunst verzichten, wird meine Wahrnehmung regelrecht auf die Materialität des Bildes gelenkt, die nicht mehr als etwas erscheint, sondern sich nur in ihrer gegenwärtigen Offenheit und Unbestimmtheit zeigt. Mein Blick gleitet über das heterogene Spiel der Farben, Spritzer, Tropfen und Flecken. Er bewegt sich über diesen gigantischen Wust aus Farbklecksen, angedeuteten Linien und Formen. Den ganzen Beitrag lesen »



Das Kaleidoskop der Bilder

von Herbert Heinzelmann • Datum: 13. September 2008 • Ausgabe: 8.1 - Phänomene der Gegenwart - Gegenwart als Phänomen

Über den Stand der Comic-Kultur in Deutschland

Versucht man einen Panoramablick auf die globale Comic-Szene, so wird man rasch feststellen, dass er keine Übersicht verschafft. Die kulturelle Globalisierung - primär unter US-amerikanischen Vorzeichen - scheint nicht dort zu funktionieren, wo Comics produziert und konsumiert werden. Erstaunlicherweise erhalten sich da nationale Kulturen und schotten sich vehement gegeneinander ab. Sogar ein scheinbar so evidenter Globalisierungserfolg wie der internationale Siegeszug japanischer Mangas hat tatsächlich etwas mit dem Zustand nationaler Comic-Kulturen zu tun. In Frankreich, das eine kultivierte Comic-Landschaft vorzuweisen hat, ist er weit weniger durchschlagend als in Deutschland, das den Bilderzählungen stets unsicher gegenüberstand. Hierzulande haben Mangas geholfen eine Mangelsituation zu beseitigen und den Comicmarkt für eine weibliche Klientel aufzuschließen, die sich offensichtlich jahrzehntelang thematisch unterversorgt fühlte. Japanische Mädchen-Mangas mit ihrer Tendenz zur Erfüllung weiblich-pubertärer Allmachtsphantasien und romantischer Träumereien stießen in die Lücke und wurden begeistert nachgefragt.

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Das Publikum im Blick

von Denis Leifeld • Datum: 22. Mai 2008 • Ausgabe: 8.1 - Phänomene der Gegenwart - Gegenwart als Phänomen

Orientierungsloses Umherblicken. Was passiert? Ich stehe mitten auf der Bühne, die Eintrittskarte noch in der Hand, vergebens nach der Reihe eins suchend, wo angeblich mein Sitzplatz sein soll. Neben mir, ebenfalls auf dem braunen Holz der Bühne, befinden sich Zuschauergruppen, die von Technikern direkt auf die Bühne der Berliner Volksbühne geführt wurden. Die Scheinwerfer sind auf das Publikum gerichtet. Die Flucht in den Zuschauerraum ist nicht mehr möglich. Wir sind im Rampenlicht. Die Scheinwerfer blenden. Plötzlich stehen die Schauspieler neben uns, begrüßen uns, sprechen uns direkt an, stellen sich der Reihe nach mit ihren realen Namen vor, erklären den Ablauf des Theaterabends und versichern: „Sie können machen, was Sie wollen!”

Nach diesem Motto ist auch die ganze Aufführung Kaprow City (2006) von Christoph Schlingensief organisiert. Das Publikum bewegt sich frei durch eine begehbare Installation, die aus zwei sich gegenläufig drehenden kreisförmigen Scheiben besteht. Sie erweist sich als ein monströses, unüberschaubares Gebilde aus achtzehn größeren und zwölf kleineren Räumen. Der Zuschauer wird nach bestimmten Zeiteinheiten durch Gongschläge, sich auf der drehenden Bühne befindlichen Techniker und Schauspieler immer wieder aufgefordert weiterzugehen - „Bitte gehen Sie jetzt weiter”. Den ganzen Beitrag lesen »



„tanz!leonhard“

von Annelie Mattheis • Datum: 22. Mai 2008 • Ausgabe: 8.1 - Phänomene der Gegenwart - Gegenwart als Phänomen

Kaugummis, Flaschendrehen und coole Klamotten sind die Themen, die die Hauptschüler aus St. Leonhard interessieren. Sie finden Britney Spears doof, „weil sie wegen Drogen ihre Kinder weggenommen bekommen hat”, und diskutieren, ob Paris Hilton eine „Schlampe” ist, wenn sie sich beim Einsteigen in ein Taxi ohne Unterhose fotografieren lässt.

„tanz!leonhard” ist eine Collage der ‚Dos‘ und ‚Don’ts‘, der Wünsche und Träume der SchülerInnen von zwei Nürnberger Hauptschulen im Brennpunkt Stadtteil St. Leonhard. Die Tanztheaterproduktion gibt einen vielschichtigen Einblick in ihre (Jugend-)Kultur und die Themen, die sie bewegen. Sie spielen Fangen und Klatschspiele, aber ihr größter Wunsch ist ein Laptop. Sie wollen cool sein, sie wollen sexy sein und sie wollen „Schlampe” sagen dürfen. Sie haben Handys und mindestens einen MP3-Player. Sie sind kurz davor erwachsen zu sein und können es kaum erwarten ihre Kindheit endlich abzulegen.

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PolyPlayer und Anderswelten

von Bernd Flessner • Datum: 22. Mai 2008 • Ausgabe: 8.1 - Phänomene der Gegenwart - Gegenwart als Phänomen

Ein jugendlicher Computerfreak ist brutal ermordet worden. Mit zertrümmertem Schädel wird er in einem Berliner Szeneclub aufgefunden. Den anfangs simpel scheinenden Fall übernimmt Rüdiger Kramer, ein erfahrener Ermittler, der bald herausfindet, dass das längst in die Jahre gekommene Computerspiel PolyPlay den Schlüssel zur Aufklärung darstellt. Offenbar hatte Michael Abusch, das Mordopfer, ebenso verborgene wie brisante Levels entdeckt und war so, für wen auch immer, zu einer ernsten Gefahr geworden. Kramer stattet also der Herstellerfirma in Köln einen Besuch ab und lässt sich den Computerspielklassiker in allen Details erklären.

So beginnt PolyPlay, der 2002 erschienene Roman des Tübinger Autors Marcus Hammerschmitt. Ein Kriminalroman wie viele andere, könnte man meinen. Ein so genanntes Whodunit, eine Subgattung des Krimis, bei der die Ermittlung eines Täters im Zentrum der Handlung steht, der meist erst am Schluss dem Leser offenbart wird. Als erste Whodunit-Story gilt übrigens Edgar Allan Poes Morde in der Rue Morgue, geschrieben 1841. Traditionelle Krimikost also. Den ganzen Beitrag lesen »