Kaum eine andere Autorin ihrer Generation ist so umstritten wie Juli Zeh. Der Zankapfel ist ihre ‘bilderreiche Sprache’. Hymnische Lobpreisungen und hysterische Verrisse wechseln einander ab in der Reaktion auf ihre Romane. Letztlich halten sie einander wohl die Waage. Ihr Augenmerk richten die Rezensenten hauptsächlich auf zweierlei: Spannung und Sprachstil. Ersteres gestehen sie Zehs Romanen uneingeschränkt zu, hinsichtlich des Stils scheiden sich jedoch die Geister.
Als “eine ganz ungewöhnlich begabte Schriftstellerin” bezeichnet sie Ulrich Greiner in seiner Rezension zu ihrem zweiten Roman Spieltrieb (2004), der ihn ebenso überzeugt wie Zehs Erstling Adler und Engel (2001): “Es ist erstaunlich, es ist bewundernswert, wie die gerade mal dreißig Jahre alte Schriftstellerin auf sämtlichen Pferden einer durchtrainierten Sprache und eines hoch gebildeten Scharfsinns ihre Geschichte über 500 Seiten durchs Ziel jagt, eine Geschichte, wie sie ungemütlicher nicht sein kann.” So ansteckend ist ihre vielthematisierte ‘metaphernreiche Sprache’, dass sich der Rezensent selbst zum bildhaften Ausdruck hinreißen lässt. Seine (völlig kritiklose) ‘Kritik’ imitiert Zehs Kunst - das gilt nicht nur für diesen Kritiker. Auf den Zeh hier attestierten Scharfsinn wird später noch eingegangen, spielt dieser doch gerade beim Ersinnen von Vergleichen und Metaphern eine wichtige Rolle. Den ganzen Beitrag lesen »