Idealzustand

Potsdamer Platz

Die in Berlin lebende Foto- und Videokünstlerin
Marion Garz begibt sich immer wieder auf die Suche nach Ausschnitten des Alltags. Fernab von bewussten Inszenierungen richtet sich ihr zunächst vom Zufall geleiteter Blick auf alltägliche Begebenheiten und Personen. Erst bei der späteren Auswahl und Kontextualisierung entfaltet sich gleichsam die Idee des Bildes. Kleinigkeiten werden herausgehoben, andere treten in den Hintergrund. Ein neuer Blick auf die Dinge entsteht, auf Menschliches, schließlich auf Inszenierungsformen des Menschseins. Auch ihr Zyklus
Idealzustand ist durch diese Vorgehensweise geprägt. Durch
Garz` Arbeitsweise entsteht ein spannungsvolles Verhältnis zwischen der Einzigartigkeit der präsentierten Details und einer zugleich vorgenommenen Entpersonalisierung bzw. Isolation der Ausschnitte. Sie verlieren ihr Gebundensein an die ursprüngliche Situation und entwickeln ein Eigenleben. Das scheinbar Nebensächliche, die versteckten Details erhalten erst an Gewicht durch die sich anschließende Bildkomposition. Indem
Garz einzelne Ausschnitte in den Kontext von anderen Details stellt, sie in neue Zusammenhänge bringt, erhält jedes vorgestellte Ding die Möglichkeit zur Entwicklung, zur Entfaltung seines Potenzials. Es sind vor allem herrschende Ordnungsprinzipien und deren Erscheinungsformen, mit denen
Garz auf Entdeckungsreise geht und auf die sie in ihren Arbeiten aufmerksam macht. Gleichgültig, ob es sich dabei um Interieurs, Personen oder Dinge handelt, ihr fotografischer Blick konzentriert sich auf die Alltäglichkeit ordnender Systematik. So treffen Kleidungsarrangements auf sauber gekämmte und zurecht gelegte Haare. Programmatisch für
Garz fotografische Streifzüge, die stets vom Zufall geleitet werden, sind vor allem zwei Punkte: Indem alltägliche Dinge scheinbar sachlich dokumentiert und zunächst dekontextualisiert werden, repräsentieren sie geläufige Schemata sozialer Korrektheit und Disziplin. Durch die sich daran anschließende Übertragung in den künstlerischen Raum und die sich damit verbindende neue Kontextualisierung werden die so inszenierten Gegenstände doppeldeutig: Sie changieren zwischen Glück und Melancholie. Zweitens sucht
Garz mit ihren Bildern Augenblicke der Gegenwärtigkeit auf, die im Moment der sich anschließenden künstlerischen Bearbeitung, der Bildkomposition, skulpturale Gestalt annehmen. Einzelmomente werden so erinnerbar, erhalten Vergangenheit und Zukunft. Die Epiphanien, die im Bild eingefangen werden, entfalten durch die Kontextualisierung mit anderen Einzelmomenten und durch die Einstellung im Kunstraum eine neue Perspektive. So sind
Garz Arbeiten von den Bewegungen der Destruktion und Montage bestimmt, die durch den Zusammenschluss beider Bewegungen das Moment der Gegenwärtigkeit stets neu konstruieren.

Rauminstallationen / Skulpturen

Individuals, 2003

Kleine Rauminstallationen, 2002

In this very Moment, 2005

[
Stephanie Waldow]