Bild: Odilon Redon: “Of Flesh and Blood”, Litograohie. Illustration des Buches La maison hantée (1896); digital verfremdet.
von Sophie Fichtner
Schlafwärme zwischen Stoff und Haut
Das Rascheln der Decke
Katzenhaare in meiner Nase
Explosionsartiges Nießen
Der Motor stottert frostige Silben
Wir schieben die Sonne an
Deine Finger klackern Buchstaben
Sie finden ihren Weg in meinen Halbschlaf
Vögel proben für den Tag
Unser Fenster die Bühne
Deine Hände finden meine Rippen
Mein Lachen stolpert fröhlich vor sich hin
Buchseiten wenden sich
Du bist schon länger neben mir weg
Unsere Geräusche erzeugen Musik. Symphonieorchester zwischen uns.
Türen lernen fliegen,
wenn Worte abstürzen.
Die Dusche redet lauter als wir
Ihr Dampf legt sich auf alles Ungesagte
Fremde Stimmen aus dem Laptop
Durch Holz unverständlich gemacht
Schritte schlagen wütende Takte
Fluchtmusik im Treppenflur
Die Uhr hämmert Sekunden
Presslufthammer im stillen Haus
Der Atem scharf. Seufzer.
Jedes Wort ein Widerstand
Zwei Teller auf dem Tisch
Der Stuhl mir gegenüber kalt
Tacet. Stummes Orchester.
