Wohngemeinschaft

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Von Sophie Fichtner

Ein schie­fes Schloss, ein Flur voll bun­ter Rah­men,
und Schil­der, die wir nachts von Stra­ßen stah­len.
Der lan­ge Gang, voll alter Spu­ren,
Bil­der, Zet­tel – klei­ne Schwuren.

Das Bad ist eng, die Küche viel zu klein,
von drau­ßen schreit die Welt im Kin­der­ton her­ein.
Drin­nen in den Räu­men immer Leben,
Gesprä­che, die sich übergeben.

Ein Zim­mer kühl in Blau und Grau,
Tape­te weiß und rau.
Das and­re laut in war­mem Ton,
Cha­os lebt hier immer schon.

Wän­de schief, doch tra­gen still,
was man vom Woh­nen wirk­lich will.
Fens­ter­bän­ke tief und breit,
für Bücher, Tas­sen, Alltagszeit.

Gir­lan­den an den Zim­mer­de­cken,
Insi­der­wit­ze gut ver­ste­cken.
Man sucht, man lacht,
und gibt auf­ein­an­der acht.

Dicke Mau­ern hal­ten Zeit,
drin­nen viel zu kühl, auch wenn drau­ßen Hit­ze schreit.
Daher im Som­mer auf dem Bal­kon,
mit mei­ner Lieblingsperson.

Und zwi­schen all den klei­nen Sze­nen
ent­steht, ganz still, aus tau­send The­men
ein Ort, der mehr als Wän­de kennt:
Eine WG, die man Zuhau­se nennt.

Es ist nicht viel, was uns hier drin­nen hält –
nur eine klei­ne, schie­fe Gegen­welt.
Immer zu zweit, nie­mals allein
kein gro­ßer Plan – nur ein­fach sein.