Dieses Ausloten von Nähe und Distanz

Du betrachtest gerade Dieses Ausloten von Nähe und Distanz

Bild © Bar­ba­ra Auer

Barbara Auer im Gespräch mit Alena Filinkova 

In einem hel­len, weit­läu­fi­gen Ate­lier in einem städ­ti­schen Vier­tel emp­fängt mich Bar­ba­ra Auer, deren Arbei­ten eine enor­me phy­si­sche Prä­senz aus­strah­len. Der Raum selbst erzählt eine Geschich­te von Wachs­tum und Ver­än­de­rung: Wo heu­te groß­for­ma­ti­ge Koh­le­zeich­nun­gen an den Wän­den hän­gen und Sta­pel von Papie­ren auf ihre Bear­bei­tung war­ten, befand sich frü­her ein pri­va­ter Wohn­be­reich. „Frü­her war hier noch eine Wand, da war das Spie­le­zim­mer der Kin­der“, erin­nert sich die Künst­le­rin. Seit der Erwei­te­rung vor eini­gen Jah­ren ist die­ser Ort ihr Zen­trum für die „Mani­fes­ta­ti­on von Ein­fäl­len“ gewor­den. Inmit­ten von Fix­a­tiv, selbst­ge­brann­ter Koh­le und einer Ansamm­lung an unter­schied­li­chem Papier spre­chen wir über ihren Weg hin zur abs­trak­ten Kunst.

Ale­na Fil­in­ko­va: Bar­ba­ra, wenn man heu­te dein Ate­lier sieht, wirkt alles sehr orga­nisch und stim­mig. Aber dein Weg hier­her war kei­nes­wegs gerad­li­nig. Wann hast du zum ers­ten Mal gespürt, dass die Kunst für dich mehr ist als nur ein Hob­by oder ein krea­ti­ver Aus­gleich? Gab es die­sen einen Moment der Klar­heit, oder ist das im Pro­zess entstanden?

Bar­ba­ra Auer: Ich den­ke, es ist eher gereift. Es war kein plötz­li­cher Blitz­schlag, son­dern eine Ent­wick­lung über Jah­re hin­weg. Inten­siv mit Kunst habe ich mich eigent­lich erst wäh­rend mei­nes kunst­the­ra­peu­ti­schen Stu­di­ums aus­ein­an­der­ge­setzt. Doch davor lag eine Zeit, die sich heu­te fast wie ein ande­res Leben anfühlt. Nach mei­nem Schul­ab­schluss war es erst­mal wich­tig, dass ich erst eine „siche­re Arbeit“ habe. Ich habe mei­ne Büro­kauf­frau-Leh­re ange­fan­gen. Ich sage dir: Das war eine fal­sche Ent­schei­dung. Ich habe sie zwar abge­schlos­sen, aber ich war dort völ­lig fehl am Platz. Der Wen­de­punkt kam durch einen rei­nen Impuls. Ich lief an einem Kin­der­gar­ten in der Stadt vor­bei, ging ein­fach hin­ein und frag­te nach einem Vor­prak­ti­kum. Die­ser hat mir zuge­sagt und von da an war ich wie beseelt. Ich war 18 Jah­re alt und wuss­te plötz­lich: Ich will mit Men­schen arbei­ten. Nach der Aus­bil­dung zur Erzie­he­rin und der Geburt mei­nes ers­ten Kin­des folg­te schließ­lich das Stu­di­um der Kunst­the­ra­pie. Über die Jah­re wur­de der Wunsch immer lau­ter, die Kunst wirk­lich in mei­nen All­tag zu inte­grie­ren und mich künst­le­risch ernst­haft wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Letz­ten Endes brach­te es mich dazu, dass ich 2017 mei­ne Stel­le in der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie kün­dig­te und ab 2018 offi­zi­ell als frei­schaf­fen­de Künst­le­rin arbei­te­te und dem Berufs­ver­band bei­trat. Ich glau­be, wie über­all im Leben ent­wi­ckelt man sich dabei in Spi­ra­len wei­ter. Man fes­tigt das Erreich­te, um sich dann auf die nächs­te Ebe­ne zu bege­ben, wäh­rend man kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ar­bei­tet. Wenn ich heu­te mei­ne Wer­ke von vor zehn Jah­ren betrach­te, sehe ich ganz deut­lich, wie sehr ich mich auf die­sem Weg wei­ter­ent­wi­ckelt habe.

Ale­na Fil­in­ko­va: Inwie­fern haben dich die Begeg­nun­gen mit den Men­schen in dei­ner Zeit in der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie geprägt, was dei­nen Blick auf Kunst und Krea­ti­vi­tät angeht?

Bar­ba­ra Auer: Die­se Zeit hat mich zutiefst geprägt und mei­nen Blick mas­siv erwei­tert. Ich habe auf der Suchtsta­ti­on ange­fan­gen und mit Jugend­li­chen ab 12 Jah­ren gear­bei­tet. Das waren zum Teil schwerst­ab­hän­gi­ge jun­ge Men­schen. Vie­le von ihnen hat­ten kei­ner­lei Selbst­be­wusst­sein und glaub­ten, künst­le­risch abso­lut nichts leis­ten zu kön­nen. In der Kunst­the­ra­pie lern­te ich jedoch: Das Ergeb­nis ist zweit­ran­gig. Das rei­ne „Tun“ ist das Ent­schei­den­de. Wenn ein Jugend­li­cher, der inner­lich völ­lig blo­ckiert war, nur mit dem Kugel­schrei­ber auf ein Blatt krit­zel­te, war das schon ein rie­si­ger Erfolg.

Ale­na Fil­in­ko­va: Das kann ich mir vor­stel­len. Wür­dest du somit auch sagen, dass Kunst Din­ge sicht­bar machen kann, die sich mit Wor­ten nur schwer aus­drü­cken lassen?

Bar­ba­ra Auer: Ja, ich habe schon oft erlebt, dass die See­le Bil­der malt, für die der Ver­stand noch gar kei­ne Wor­te hat. Gera­de bei Kin­dern ist die Refle­xi­on über das Bild im Gespräch oft nur begrenzt mög­lich. Da ist das Gestal­ten an sich das Heil­mit­tel. Es geht dar­um, Ohn­machts­ge­füh­le zu über­win­den und ein Gefühl von Selbst­wirk­sam­keit zu kre­ieren: „Ich kann etwas machen, ich kann etwas gestal­ten“. In der Kunst­the­ra­pie hat man am Ende etwas Rea­les in der Hand, auf das man stolz sein kann – das ist ein gro­ßer Unter­schied zu ande­ren The­ra­pie­for­men wie der Musik­the­ra­pie, wobei die­se kei­nes­falls weni­ger wert sind.

Ale­na Fil­in­ko­va: Hat sich durch die­se Arbeit dein pri­va­ter Blick auf die Men­schen verändert?

Aus­schnitt einer Gra­fik, an der Bar­ba­ra Auer der­zeit arbeitet.

Bar­ba­ra Auer: Ja, auf jeden Fall. Man beginnt sein Leben ja mit einem Blick, der oft durch die Fami­lie und das Auf­wach­sen in einem bestimm­ten Umfeld geprägt ist. In mei­nem Fall war es das Dorf. Die Arbeit in der Kli­nik hat die­sen Blick extrem erwei­tert. Ich habe gelernt, hin­ter das Äuße­re zu schau­en. Das Aus­se­hen ist nicht ent­schei­dend. Viel­mehr ent­schei­dend sind die Geschich­ten dahin­ter und was die Men­schen erlebt haben. Man kann nie­man­den ein­fach in eine Schub­la­de ste­cken, beson­ders Jugend­li­che nicht, weil sie oft in Situa­tio­nen sind, für die sie nichts kön­nen. Ich bin dadurch viel offe­ner gewor­den, weil das Herz auf­geht, wenn man die Schick­sa­le dahin­ter sieht. Gleich­zei­tig war es hart, die vie­len Schick­sa­le abzu­gren­zen vom eige­nen Leben und sie nicht mit nach Hau­se zu neh­men. Man muss eine sta­bi­le Grö­ße blei­ben und darf nicht im Mit­leid ver­sin­ken, denn Mit­leid hilft dort gar nicht wei­ter. Man muss sich stän­dig selbst hin­ter­fra­gen und reflek­tie­ren. Eine der wich­tigs­ten Lek­tio­nen war: Alles, was dich an ande­ren am meis­ten „trig­gert“, hat letzt­lich etwas mit dir selbst zu tun.

Ale­na Fil­in­ko­va: Die­ses Inter­es­se am Men­schen sieht man auch in dei­nen heu­ti­gen frei­en Arbei­ten. Du zeich­nest fast aus­schließ­lich Men­schen, oft in Bewe­gung. Wel­che Rol­le spielt der Kör­per kon­kret in dei­nen Bildern?

Bar­ba­ra Auer: Der Kör­per, der Mensch ist für mich der Aus­druck des­sen, was ich bin und was ich erfah­ren habe. Ich beob­ach­te wahn­sin­nig ger­ne Leu­te. Wenn ich irgend­wo sit­ze, spie­le ich nicht mit dem Han­dy, son­dern beob­ach­te die Men­schen um mich her­um: ihre Kör­per­hal­tung, ihre Spra­che, wie sie sich im Gespräch zuein­an­der posi­tio­nie­ren. Man sieht einem Men­schen sein Leben im Kör­per­bau an, beson­ders bei älte­ren Men­schen. Ihr gan­zer Cha­rak­ter, ihre Ein­stel­lung zum Leben zeigt sich in der Art, wie sie sich bewe­gen. Ich sehe auch oft skur­ri­le Situa­tio­nen, die mich schmun­zeln las­sen. Da ist viel Fan­ta­sie dabei, ich spin­ne mir Geschich­ten zu den Men­schen aus. All das fließt in mei­ne Bil­der ein, wobei ich wahr­schein­lich oft mich selbst zeich­ne, mit allem, was sich in mir ein­ge­prägt hat. Was ich auch sehr ger­ne mache, ist mich selbst blind zu zeich­nen um mich direkt zu spü­ren. Wenn ich zum Bei­spiel Kopf­schmer­zen habe, gehe ich ins Ate­lier, neh­me Papier und Stift zur Hand und zeich­ne mei­nen Kör­per blind in der Kon­tur. Dabei ver­stär­ke ich intui­tiv die Stel­len, die ich am inten­sivs­ten wahr­neh­me, in die­sem Fall den Kopf. Was du spürst, das zeich­nest du dann auch. Es ist eine sehr unmit­tel­ba­re Form der Ver­bin­dung zwi­schen dem Kör­per­ge­fühl und dem Papier.

Ale­na Fil­in­ko­va: Das klingt äußerst inter­es­sant. Da stellt sich mir eine Fra­ge zu dei­ner Werk­rei­he Poly­hu­man. Hier begeg­nen uns Figu­ren, die ver­bun­den wir­ken, aber zugleich eigen­stän­dig sind. Was hat dich an die­sem Span­nungs­feld interessiert?

Bar­ba­ra Auer: Das ist tat­säch­lich im Pro­zess so ent­stan­den, ohne dass ich vor­her geplant hat­te, zwei Men­schen dar­zu­stel­len, die sich anschau­en. Aber das Span­nungs­feld selbst inter­es­siert mich sehr. Das Leben ist immer bei­des: Du bist ein Indi­vi­du­um, musst dei­ne eige­ne Basis ent­wi­ckeln, aber es geht nie ohne ande­re. Genau die­ses Aus­lo­ten von Nähe und Distanz, von Ich und Du, fin­de ich span­nend. Es ist ein täg­li­ches Aus­ba­lan­cie­ren: Wie weit gehe ich auf jeman­den zu, ohne mich selbst zu ver­lie­ren? Wie blei­be ich bei mir, ohne ego­is­tisch zu wer­den? Dass da zwei Figu­ren auf­tau­chen, kann durch­aus auch mit per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zu mei­nem Ehe­part­ner zu tun haben. Aber ich woll­te nicht bewusst ein Lie­bes­paar dar­stel­len. Das hat sich ein­fach ent­wi­ckelt. Ich mag es, wenn mei­ne Kunst abs­trakt genug bleibt, damit jeder Betrach­ter sei­ne eige­ne Geschich­te dar­in fin­den kann. Jeder bringt sei­nen eige­nen Hin­ter­grund mit und inter­pre­tiert das Bild auf sei­ne Wei­se. Das ist für mich eine Qua­li­tät von Abs­trak­ti­on: dass jeder seins hin­ein­in­ter­pre­tie­ren kann.

Ale­na Fil­in­ko­va: Du hast ja schon ange­deu­tet, dass für dich nicht nur das fer­ti­ge Werk zählt, son­dern auch der Pro­zess. Wie sieht dein Ent­ste­hungs­pro­zess aus, wenn du den ers­ten Strich aufs Papier setzt? Hast du ein fer­ti­ges Ziel im Kopf?

Bar­ba­ra Auer: Nein, ein fer­ti­ges Bild im Kopf zu haben, wäre für mich eher hem­mend. Wenn man zu ver­bis­sen an ein Ziel glaubt, wird die Zeich­nung oft nichts. Meist habe ich am Anfang eine flüch­ti­ge Idee. Dann beginnt ein Wech­sel­spiel mit dem Mate­ri­al: Was sagt mir das Papier? Was sagt mir die Zeich­nung? Ich sehe viel­leicht eine Figur, ver­stär­ke sie, fin­de sie „beson­ders schön“. Aber genau dann weiß ich oft: Ich muss sie wie­der los­las­sen und an ande­ren Stel­len wei­ter­ar­bei­ten, damit das Bild als Gan­zes Span­nung behält. Man darf sich nicht zu sehr im Detail ver­lie­ren, son­dern muss letz­ten Endes loslassen.

Ale­na Fil­in­ko­va: Und wann weißt du, dass dein Bild fer­tig ist?

Bar­ba­ra Auer: Wann ein Bild fer­tig ist, ist eine per­sön­li­che Ent­schei­dung. Es muss eine Span­nung da sein, ein Gegen­spie­ler, ein Gleich­ge­wicht von Hell und Dun­kel. Irgend­wann spü­re ich ein­fach: „Jetzt ist es gut“. Aber das ist ganz indi­vi­du­ell und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Ohne Titel. Zu sehen ist unter ande­rem ein Wasserfall.

Ale­na Fil­in­ko­va: Neben dem Men­schen scheint die Natur eine zen­tra­le Rol­le in dei­nem Leben zu spie­len. Wie defi­nierst du dei­ne Bezie­hung zur Natur?

Bar­ba­ra Auer: Ich habe einen gro­ßen Respekt, fast eine Demut vor der Natur. Als Initi­al­zün­dung für die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Natur war für mich eine Rei­se nach Myan­mar. Das war wie eine Rück­kehr in mei­ne Kind­heit, warm, som­mer­lich, freund­li­che Men­schen. Wir saßen oft drau­ßen auf unse­ren Mal­hö­cker­chen und haben gezeich­net. Den­noch ist es so, dass wenn ich Land­schaf­ten zeich­ne, es kei­ne rea­len Orte für mich sind, die man auf einer Kar­te fin­den könn­te. Es sind inne­re Orte. Sie spei­sen sich aus Erfah­run­gen und Erin­ne­run­gen, aber die Orte, wie ich sie zeich­ne, gibt es so nicht. Ich bin ein Natur­mensch, ich schwim­me im See, ich fah­re ger­ne Fahr­rad in der Abend­son­ne, das gibt mir wahn­sin­nig viel Kraft.

Ale­na Fil­in­ko­va: Das sind tol­le Ein­bli­cke. Die meis­ten Bil­der, die ich hier in dei­nem Ate­lier sehe, sind mit Koh­le gezeich­net. Du benutzt ger­ne Papier und Koh­le, oder?

Bar­ba­ra Auer: Oh ja, beim Papier habe ich abso­lut einen Fetisch. Manch­mal ent­wi­ckelt sich eine Zeich­nung nur, weil mir ein bestimm­tes Stück Papier in die Hand fällt. Ich mag das Hap­ti­sche sehr. Es muss nicht immer teu­res Papier sein, selbst Ver­pa­ckungs­pa­pier ist inter­es­sant. Die Beschaf­fen­heit des Unter­grunds bestimmt oft, was dar­auf pas­siert, zum Bei­spiel, ob die Tusche ver­läuft oder wie der Druck dar­auf wirkt. Und dann ist da die Koh­le. Seit ein paar Jah­ren mache ich mei­ne Koh­le oft selbst im Grill. Ich schmei­ße ein­fach Äste von Buche, Bir­ke oder Lin­de in mei­nen Grill und es ent­steht mei­ne Koh­le zum Zeich­nen. Ich mag den Zufall dabei. Wenn die Koh­le nicht per­fekt durch­ge­köh­lert ist oder beim Zeich­nen zer­brö­selt, ent­ste­hen oft die span­nends­ten Effek­te. Koh­le ist zwar ein schwie­ri­ges Mate­ri­al, aber irgend­wann hat es mich ein­fach gefunden.

Ale­na Fil­in­ko­va: Es ist schön, dass du dein Mate­ri­al gefun­den hast. Wie ent­ste­hen eigent­lich dei­ne Ideen für dei­ne Wer­ke, kom­men sie dir spon­tan, oder gibt es einen beson­de­ren Ort oder Moment, an dem sie entstehen?

Bar­ba­ra Auer: Der bes­te Ort, an dem sich ein Ein­fall wirk­lich auf dem Papier mani­fes­tiert, ist für mich das Ate­lier. Natür­lich kom­men mir auch drau­ßen Ideen, wenn ich mit dem Skiz­zen­buch unter­wegs bin. Aber hier im Ate­lier kann ich es am bes­ten umset­zen. Aber ich muss hier von Zeit zu Zeit auch wie­der Ord­nung schaf­fen. Manch­mal braucht es Abstand von alten Wer­ken, damit etwas Neu­es ent­ste­hen kann. Ich glau­be, das ist wich­tig: nicht alles fest­hal­ten zu wol­len. Wenn man los­lässt, ent­steht wie­der Raum für Neues.

Ale­na Fil­in­ko­va: Da wären wir wie­der bei dem The­ma, das sich durch unser gan­zes Gespräch zieht, das Los­las­sen. Fällt es dir schwer, dei­ne fer­ti­gen Wer­ke wegzugeben?

Bar­ba­ra Auer: Frü­her fiel mir das leich­ter. Aber bei der Poly­hu­man-Serie war es anders. Ich habe zwei mei­ner liebs­ten Bil­der dar­aus ver­kauft. Es tut mir ein biss­chen leid, aber es ist wich­tig, die Din­ge gehen zu las­sen. Wenn man zu sehr an dem fest­hält, was man gemacht hat, ist das nicht gesund. Ich ver­glei­che das manch­mal mit den eige­nen Kin­dern: Man muss sie irgend­wann in die Welt ent­las­sen. Man hat sie im Her­zen, aber sie müs­sen ihren eige­nen Weg gehen. So ist es auch in der Kunst: Wenn ein Bild fer­tig ist, dann darf es auch irgend­wann gehen.

Ale­na Fil­in­ko­va: Das sind tol­le abschlie­ßen­de Wor­te. Vie­len Dank für die­sen tie­fen Ein­blick in dein Schaf­fen und ich wün­sche dir noch ganz viel Erfolg für die Zukunft.

Bar­ba­ra Auer: Dir auch vie­len Dank für das Gespräch. Es war schön wie­der in mich zu gehen und über mei­ne eige­nen Wer­ke und Schaf­fen noch­mal genau­er nachzudenken.

Bar­ba­ra Auer arbei­tet seit dem Jahr 2018 als frei­schaf­fen­de Künst­le­rin in der Regi­on Augs­burg. Zuvor war sie vie­le Jah­re als Kunst­the­ra­peu­tin in der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie tätig. Ihr Stu­di­um an der Frei­en Kunst­aka­de­mie Augs­burg, zahl­rei­che Rei­sen und künst­le­ri­sche Wei­ter­bil­dun­gen präg­ten ihren künst­le­ri­schen Weg. Ihre künst­le­ri­sche Arbeit ist geprägt von Zeich­nung, Male­rei und expe­ri­men­tel­len Aus­drucks­for­men. Eine äußerst wich­ti­ge Rol­le spielt dabei die Ver­bin­dung per­sön­li­cher Emp­fin­dun­gen und der äuße­ren Wirk­lich­keit, wodurch sie einen Raum für die indi­vi­du­el­le Wahr­neh­mung der Beobachter:innen schafft. Ihre Wer­ke ent­ste­hen aus einem per­sön­li­chen und intui­ti­ven Zugang zu der Kunst.

Ihre Wer­ke wur­den bereits in zahl­rei­chen Ein­zel- und Grup­pen­aus­stel­lun­gen in Augs­burg und der Regi­on aber auch über­re­gio­nal gezeigt. Für ihre künst­le­ri­sche Arbeit erhielt sie den Kolleg:innenpreis des BBK Augs­burg 2024 und 2025 den Kunst­preis Schwabmünchen.