Mensch-Sein, Macht und Menschenrechte

Mensch-Sein, Macht und Menschenrechte

Ein Gespräch mit Christiane Neudecker

von Manu­el Illi und Agnes Bidmon

“Ich bin kein Jour­na­list, ich bin kein Frei­heits­kämp­fer, ich bin Autorin, und ich hof­fe, dass über die­sen Weg, die­sen lite­ra­ri­schen Weg, eine Geschich­te über die­ses Land zu erzäh­len, sich die Leu­te dem Land viel­leicht ver­bun­de­ner füh­len als es durch rein theo­re­ti­sches Anle­sen von Tabel­len oder Aus­wer­tun­gen der aktu­el­len Situa­ti­on mög­lich ist.”

Schau ins Blau traf die Regis­seu­rin und Autorin Chris­tia­ne Neu­de­cker, um mit ihr über das Mensch-Sein, über Macht und Men­schen­rech­te zu spre­chen und dar­über, inwie­fern die Refle­xi­on über ethi­sche Anlie­gen mit der Ver­ant­wor­tung eines Autors für sei­ne Geschichte(n) kor­re­liert. Den Aus­gangs­punkt dafür bil­det in jedem Fall eine Rei­se, auf der man dem Frem­den, der man nicht zuletzt auch selbst ist, begegnet.

Schau ins Blau: Lie­be Frau Neu­de­cker, die Arbeit an Ihrem Buch Nir­gend­wo sonst, das in Bur­ma spielt, hat schon lan­ge vor der blu­ti­gen Nie­der­schla­gung der Wider­stands­kämp­fe im Jahr 2007 begon­nen. Wie haben Sie die­se Kata­stro­phe erlebt als jemand, der das Land nicht nur bereist, son­dern sich auch auf­grund der Recher­chen inten­siv mit dem Land aus­ein­an­der­ge­setzt hat?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Als sehr schmerz­voll und sehr hilf­los, weil man von hier sehr wenig machen kann. Es hat ja auch gene­rell eine gro­ße Rat­lo­sig­keit geherrscht, auch inner­halb der ein­zel­nen Natio­nen, die ja auch tat­säch­lich nicht ein­schrei­ten konn­ten, unter ande­rem weil Chi­na geblockt hat. Und man begreift dann eben, wie klein man ist im gro­ßen Welt­ge­fü­ge — das man zwar mit­füh­len kann und ver­su­chen kann, sich ein­zu­set­zen, aber dass es de fac­to sehr, sehr schwie­rig ist, von hier aus wirk­lich zu agieren.

Schau ins Blau: Resi­gniert man im Anschluss an sol­che Ereig­nis­se eher in Anbe­tracht der indi­vi­du­el­len Macht­lo­sig­keit und beginnt man an demo­kra­ti­schen wie mensch­li­chen Wer­ten zu zwei­feln? Oder betrach­ten Sie allein den Auf­stand an sich und die Bericht­erstat­tung dar­über in der ‚frei­en Welt’ als zwar schmerz­haf­ten, aber not­wen­di­gen Pro­zess auf einem mög­li­chen Weg hin zu lang­fris­ti­ger Ver­än­de­rung, ähn­lich wie auch Mr. Khin in Ihrem Text das Ein­tref­fen der Ruck­sack­tou­ris­ten bewertet?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich hof­fe letzt­end­lich, dass es so ist, ich weiß es natür­lich nicht. Aber es ist im Moment das Ein­zi­ge, was noch bleibt, dass auch die Welt­öf­fent­lich­keit auf­merk­sam wird, und lei­der hat die Auf­merk­sam­keit wie­der abge­nom­men inner­halb der letz­ten Mona­te. Selbst nach Nar­gis, wo das Inter­es­se noch mal kurz­zei­tig auf­flamm­te; aber selbst zu die­sem Zeit­punkt hat­ten die meis­ten schon wie­der ver­ges­sen, was das für ein Land ist, um das es sich über­haupt dreht, und die Situa­ti­on dort hat sich natür­lich kei­nes­falls ver­bes­sert, son­dern dras­tisch ver­schlech­tert. Der Man­gel an Bericht­erstat­tung ist erschüt­ternd zu sehen, nicht zuletzt weil es auch kei­ne medi­en­wirk­sa­men Bil­der gibt und die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­bin­dung sei­tens des Mili­tärs natür­lich voll auf­geht. Aber hoff­nungs­los bin ich des­we­gen noch lan­ge nicht. Wenn die Men­schen dort noch Hoff­nung haben kön­nen, dann soll­ten wir das natür­lich auch. Und ich hof­fe, dass ich mit dem Buch zumin­dest einen klei­nen Bei­trag leis­te, dass das Land in irgend­ei­ner Form prä­sent bleibt.

Schau ins Blau: Wel­che Rol­le kön­nen in Anbe­tracht solch lebens­welt­li­cher Rea­li­tä­ten Kunst, Ästhe­tik, Lite­ra­tur — und eben auch gera­de Bücher wie Ihres — spie­len, die poli­ti­sche Miss­stän­de und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen expli­zit the­ma­ti­sie­ren? Ver­fol­gen Sie als Autorin eine Art auf­klä­re­ri­schen Anspruch und möch­ten der Welt „die Wahr­heit über die­ses Land erzäh­len”, wie es ja auch in einem pro­gram­ma­ti­schen Satz in ihrem Buch heißt? Oder ist das Schrei­ben eher als ein sub­ver­si­ver Bei­trag zu wer­ten, als ein­zig mög­li­cher Bei­trag, um auf die­se Art ein tota­li­tä­res Regime auszuhöhlen?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich den­ke, es kann immer nur ein indi­vi­du­el­ler Bei­trag sein. Ich hal­te sehr wenig davon, wenn Schrift­stel­ler zu Sonn­tags­pre­di­gern wer­den oder zu Markt­schrei­ern. Es geht ja letzt­end­lich immer um einen sehr sub­jek­ti­ven Blick, der ist in die­sem Fall natür­lich stark poli­tisch ein­ge­färbt. Das wohl ein­fach auf­grund der Tat­sa­che, dass ich das Glück hat­te, in einer Demo­kra­tie groß zu wer­den und dann natür­lich ein ganz ande­ren Blick­win­kel habe auf solch ein tota­li­tä­res Regime. Aber ich den­ke man kann, man soll­te als Schrift­stel­ler auf­merk­sam machen und hof­fen, dass einem das gelingt — natür­lich mit den Mit­teln eines Schrift­stel­lers. Ich bin kein Jour­na­list, ich bin kein Frei­heits­kämp­fer, ich bin Autorin, und ich hof­fe, dass über die­sen Weg, die­sen lite­ra­ri­schen Weg, eine Geschich­te über die­ses Land zu erzäh­len, sich die Leu­te dem Land viel­leicht ver­bun­de­ner füh­len als es durch rein theo­re­ti­sches Anle­sen von Tabel­len oder Aus­wer­tun­gen der aktu­el­len Situa­ti­on mög­lich ist.

Schau ins Blau: Ist viel­leicht des­halb gera­de Lite­ra­tur das Medi­um, in dem man ethi­sche Fra­gen in all ihrer Viel­schich­tig­keit beson­ders gut oder viel­leicht sogar genu­in dar­stel­len kann — im Ver­gleich zu dem von Ihnen schon ange­spro­che­nen Jour­na­lis­mus oder auch zur Phi­lo­so­phie, wo man ethi­sche Fra­gen zuerst ansie­deln würde?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich möch­te das nicht unbe­dingt gene­ra­li­sie­ren, aber für mich ist es natür­lich ein sehr guter Weg. Gleich­zei­tig ehrt es mich tat­säch­lich sehr, wenn Amnes­ty Inter­na­tio­nal im Monats­jour­nal auf mein Buch auf­merk­sam macht. Dadurch sehe ich, dass es durch­aus eine rea­le Ver­an­ke­rung des Fik­ti­ven bei den Leu­ten gibt, die sich wirk­lich aktiv ein­set­zen. Man posi­tio­niert sich letzt­end­lich ja doch immer. Sei es in einem Essay, sei es in der Phi­lo­so­phie, oder sei es dann eben auch in der Lite­ra­tur. Man kommt aus der mora­li­schen Ver­ant­wor­tung nie her­aus. Des­we­gen fin­de ich auch, es gibt kei­ne unpo­li­ti­schen Autoren. Selbst in dem Moment, in dem sie sich selbst als sol­che bezeich­nen, zei­gen sie ja auch schon wie­der, dass sie aus einer Wohl­stands­ge­sell­schaft kom­men, die sich das leis­ten kann. Des­we­gen ist es ein sehr zwei­schnei­di­ges Schwert, aber für mich und in die­sem spe­zi­el­len Fall war es tat­säch­lich auch der ein­zi­ge Weg, agie­ren zu kön­nen, oder der rich­ti­ge Weg. Ich habe ins­ge­samt drei­ein­halb Jah­re an dem Buch geschrie­ben, und in dem Zeit­raum wuss­te man über­haupt nichts über Bur­ma. Weni­ge wuss­ten über­haupt über das Land Bescheid und tat­säch­lich ist die End­pha­se des Schrei­bens zusam­men­ge­fal­len mit den Demons­tra­tio­nen, wie es auch hin­ten im Buch steht. Das war eine ganz merk­wür­di­ge Kon­stel­la­ti­on: Ich steck­te so tief in dem Buch drin und über­ar­bei­te­te gera­de die Sze­ne mit den Mön­chen, und im Hin­ter­grund lie­fen die­se Mön­che über den Fern­seh­bild­schirm bei NTV — wirk­lich in end­lo­sen Schlan­gen. Das war ein sehr merk­wür­di­ges Inein­an­der­grei­fen von Fik­ti­on und Rea­li­tät. Für mich war das jeden­falls der rich­ti­ge Weg und das Buch hat ja tat­säch­lich auch vie­le Leser gefun­den, die sich dafür inter­es­sie­ren und auch erwär­men konnten.

Schau ins Blau: Die­se ethi­sche Ver­ant­wor­tung, von der Sie gespro­chen haben, die der Autor zwangs­läu­fig hat, ist also kei­ne Last, gera­de bei die­sem Thema?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Sie ist vor­han­den — in jedem Fall und egal was man schreibt. In dem Moment, in dem ich mich äuße­re, posi­tio­nie­re ich mich. Eigent­lich ide­al, wenn man das inner­halb von Geschich­ten tun darf.

Schau ins Blau: Als Autorin neh­men Sie somit ja eine sekun­dä­re Beob­ach­ter­per­spek­ti­ve ein und unter­brei­ten dem Leser das Ange­bot, die Rei­se in das Land und in die­se Geschich­te mit anzutreten.

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ja und Nein. Einer­seits natür­lich schon, also von Sei­ten der Autorin her. Ander­seits aber muss ich als Autorin ja auch in die Haut eines Prot­ago­nis­ten krie­chen. Und die­ser Prot­ago­nist wird nicht nur durch das Land sehr ver­wirrt son­dern ist zudem in sich schon sehr erschüt­ter­bar — war­um, erfährt man im Lau­fe des Buches. Gera­de des­we­gen gehen ihm die dor­ti­gen Ver­hält­nis­se extrem unter die Haut. In die­sem Moment, in dem ich also aus der Sicht die­ser Figur schrei­be, bin ich natür­lich wesent­lich invol­vier­ter als wenn ich ein von außen Her­an­ge­hen­der wäre.

Schau ins Blau: Wer­den die­se Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät und auch die Ver­wir­rung, die sich sowohl im Prot­ago­nis­ten als auch im Mot­to des Buches mani­fes­tie­ren, letzt­lich auch in der Erzähl­per­spek­ti­ve gespie­gelt? Schließ­lich befin­det sich die Erzähl­si­tua­ti­on ja in einem per­ma­nen­ten Wech­sel­spiel zwi­schen der per­so­na­len Du-Erzäh­lung und einer aukt­o­ria­len Erzähl­per­spek­ti­ve. Eröff­net die­ses Zusam­men­spiel nicht sogar eine Art von Zwi­schen­raum, ein Drit­tes, das für die indi­vi­du­el­len Refle­xio­nen und das Mit­den­ken des Lesers reser­viert ist, der sowohl als eine Art Detek­tiv wie auch als Psy­cho­lo­ge und The­ra­peut den Prot­ago­nis­ten auf sei­ner Rei­se begleitet?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Das kann man auf jeden Fall so sehen. Gera­de die­ser Wech­sel zwi­schen dem Ich-Er-Du, die­se gan­ze Ver­wir­rung, die in dem sich selbst sehr ent­frem­de­ten Prot­ago­nis­ten statt­fin­det, lässt sich dadurch natür­lich beson­ders gut aus­drü­cken und gleich­zei­tig auf den Leser über­tra­gen. Ins­be­son­de­re am Anfang gibt es ja des­halb auch Sequen­zen, die wie eine Art Stör­sen­der dem namen­lo­sen Rei­sen­den Gedan­ken, direk­te Anspra­chen zwi­schen­fun­ken, obwohl er eigent­lich gera­de mit sei­nem Kopf und sei­nem Kör­per ganz woan­ders ist. Und das sind natür­lich Vor­bo­ten, die gleich­sam den Leser auch zum Detek­tiv machen, wie Sie rich­tig sagen.

Schau ins Blau: Kann man die zwei Per­spek­ti­ven der Erzähl­wei­se viel­leicht auch als eine Alle­go­rie auf poli­ti­sche Sys­te­me deu­ten? In der Form, dass die per­so­na­le Sicht­wei­se eher den Indi­vi­dua­lis­mus der Demo­kra­tie reprä­sen­tiert, wohin­ge­gen die aukt­o­ria­le Per­spek­ti­ve stell­ver­tre­tend für den Tota­li­ta­ris­mus und das macht­voll steu­ern­de Regime steht?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Sicher. Die Dop­pel­ge­sich­tig­keit war gene­rell ein ganz gro­ßes The­ma. Der Arbeits­ti­tel des Buches war sehr lan­ge Dop­pel­ge­sich­ter. Ich woll­te den Ver­lag auch kurz noch mal dahin zurück­be­we­gen, als sie sich für die­ses Cover ent­schie­den haben, aber da gab es dann aber kein Rück­ru­dern mehr… Aber die Dop­pel­ge­sich­tig­keit war tat­säch­lich das The­ma, das allem zugrun­de liegt: sowohl inner­halb des Lan­des als auch in der poli­ti­schen Situa­ti­on als auch natür­lich in der Form des Erzäh­lens. Inso­fern gibt es da schon so eine drei­fa­che Par­al­le­le, die hof­fent­lich auch den Leser ergreift, weil der immer wie­der zwi­schen den unter­schied­li­chen Vari­an­ten hin- und her­ge­schmis­sen wird.

Schau ins Blau: In Ihrem Buch dreht sich also sehr viel um Per­spek­ti­ven. Um Per­spek­ti­ven, die man auf ande­re Men­schen und sich selbst rich­tet. Nicht zuletzt auch um Per­spek­ti­ven, mit denen man tag­täg­lich kon­fron­tiert wird — sei es, dass sie einem von ande­ren Men­schen erzählt oder von Medi­en sug­ge­riert wer­den. Dies wird ins­be­son­de­re deut­lich, wenn man z.B. an Sine denkt, die sich ja eigent­lich in die­se Pro­jek­ti­on der Flucht­fi­gur ver­liebt und nicht unbe­dingt in den namen­lo­sen Prot­ago­nis­ten selbst. Letzt­lich wird also auch die Macht der Bil­der the­ma­ti­siert, die man sich macht und die sich ande­re von einem machen und die alle den Anspruch erhe­ben, ein Stück Wahr­heit zu impli­zie­ren. Par­al­lel dazu wird aber gleich­zei­tig auf­ge­deckt, dass alles den Cha­rak­ter einer Insze­nie­rung trägt — wie allein schon anhand der Figur des Schau­spie­lers, der Regis­seu­rin und eben auch der Art, wie sich die Prot­ago­nis­ten inner­halb des Tex­tes selbst erzäh­len, deut­lich wird. In wel­chem span­nungs­vol­len Ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen in die­sem Kon­text dann also Kate­go­rien von Wahr­heit und Lüge, Rea­li­tät und Fiktion?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich glau­be, das Eine gibt es ohne das Ande­re nicht. Ich glau­be jede Rea­li­tät ist immer in irgend­ei­ner Form insze­niert und in jeder Insze­nie­rung befin­det sich immer ein Körn­chen Rea­li­tät. Inso­fern sind das meis­tens die zwei Sei­ten einer Medail­le, die sich dann aber doch wie­der zu einem Gan­zen zusam­men­fü­gen. Damit sind wir dann auch wie­der bei den Dop­pel­ge­sich­tern. Letzt­end­lich gibt es eben nicht schwarz-weiß, son­dern sehr, sehr vie­le Grau­schat­tie­run­gen und immer das Eine auch im Anderen.

Schau ins Blau: Ein wei­te­res Leit­mo­tiv Ihres Tex­tes ist ja auch die Dicho­to­mie zwi­schen dem Ein­ge­schlos­sen-Sein, und zwar in dop­pel­ter Hin­sicht: sowohl im eige­nen Kör­per als auch in der Art, wel­ches Bild man von sich ent­wirft, was ja wie­der­um Kon­se­quen­zen hat und die wei­te­ren Hand­lun­gen beein­flusst und vor­an­treibt. Zudem erfolgt auch hier wie­der eine Spie­ge­lung auf die poli­ti­sche Ebe­ne zwi­schen dem Ein­ge­schlos­sen-Sein in einem Land gegen­über der Mög­lich­keit der Flucht hin in die Frei­heit. Es wird aber auch vor­ge­führt, dass die ver­meint­li­che Frei­heit, sich ent­schei­den zu kön­nen, stets wie­der ein neu­es Ein­ge­schlos­sen-Sein und neue Flucht­re­fle­xe mit sich bringt. Ist man also letzt­lich immer auf der Flucht, gibt es über­haupt ein Ent­rin­nen aus die­sem per­ma­nen­ten Fluchtkreislauf?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich glau­be auch da, dass die Bewe­gung auch immer die Gegen­be­we­gung schon letzt­end­lich in sich trägt. Oder auch, dass die Gegen­be­we­gung gebraucht wird, um über­haupt die Schub­kraft zu bekom­men für die eigent­li­che Bewe­gung. Inso­fern wird es ein­fach kei­nen Still­stand geben. Letzt­end­lich hat immer jede Akti­vi­tät auch die Pas­si­vi­tät als Vor­aus­set­zung und umge­kehrt aber genau­so. Ich glau­be tat­säch­lich, das The­ma Flucht ist inner­halb der Geschich­te ein gro­ßes The­ma, denn der­je­ni­ge, der die Frei­heit sucht, den ganz gro­ßen Raum, muss sich erst mal in den kleins­ten Raum bege­ben, den er sich vor­stel­len kann, näm­lich in einen Kof­fer­raum. Und da haben wir dann wie­der die Gegen­be­we­gung. Und so lan­ge man lebt, wird die­se Dyna­mik nicht anhal­ten, glau­be ich.

Schau ins Blau: Mit die­ser Oszil­la­ti­on zwi­schen all den bereits ange­spro­che­nen bipo­la­ren Extre­men ein­her geht ja im Text auch die Fra­ge nach einem fest­schreib­ba­ren Sinn und einer Iden­ti­tät. Dies wird v.a. deut­lich anhand einer red­un­dan­ten Fra­ge, die den Leser wäh­rend der Lek­tü­re stän­dig beglei­tet: „Whe­re du you come from, whe­re do you go, how long will you stay?” Und nicht zufäl­lig wer­den gleich­zei­tig inner­halb des Tex­tes ja auch sinn­stif­ten­de Instan­zen — oder ehe­mals sinn­stif­ten­de Instan­zen — wie poli­ti­sche Sys­te­me oder gera­de auch das Kon­zept von Reli­gi­on durch die rein tou­ris­tisch anmu­ten­den Besu­che der Tem­pel aus­ge­höhlt und reprä­sen­tie­ren nichts mehr Sub­stan­ti­el­les. Wie kann die­sen Lebens­fra­gen, die anhand eines höchst ver­un­si­cher­ten Indi­vi­du­ums durch­de­kli­niert wer­den, in unse­rer Zeit also begeg­net werden?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Schwie­ri­ge Fra­ge, denn natür­lich habe ich die gro­ße Ant­wort auf die­se Sinn­su­che auch nicht. Ich kann nur Anre­gun­gen geben und mich dann wie­der kon­kret in eine Per­son und deren Geschich­te ver­set­zen und die wie­der in Bewe­gung brin­gen. Ganz kon­kret in dem Fall ist es so, dass letzt­end­lich die äuße­re Bewe­gung, also das tat­säch­li­che Hin­rei­sen in die­ses zwei­ge­sich­ti­ge Land den Prot­ago­nis­ten ja dann wirk­lich wie­der wei­ter­bringt und zu sich selbst zurück­führt. Und das ist in sei­ner Situa­ti­on erst ein­mal das Wich­tigs­te. Tat­säch­lich glau­be ich, dass Begeg­nun­gen mit Men­schen oder der Aus­tausch wahr­schein­lich das ist, was einen immer wie­der anre­gen kann, aus ver­krus­te­ten Denk­mus­tern aus­zu­bre­chen und einem neue Impul­se geben kann. Also ist das sicher­lich ein Weg, aber ich habe natür­lich noch nicht alle Wege ausgekundschaftet.

Schau ins Blau: Wel­chen Stel­len­wert kann bei die­sem Ver­such einer Sinn­stif­tung das Erzäh­len ein­neh­men? Zum einen die Kul­tur­tech­nik des Erzäh­lens gene­rell, zum ande­ren, wie es in Ihrem Roman vor­ge­führt wird, das Sich-Selbst-Erzäh­len im Sin­ne eines Ent­wur­fes eines immer neu­en und dyna­mi­schen Bil­des von sich?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Also als Autorin muss ich natür­lich sagen, dass Erzäh­len eine der sinn­stif­tends­ten Hand­lun­gen über­haupt ist, das ist aber auch so. Aber das gilt natür­lich für mich pri­vat, und ich freue mich auch, wenn ich Zuhö­rer fin­de. Es muss nicht jeder der gro­ße Erzäh­ler sein, denn auch hier ist wie­der die Kom­mu­ni­ka­ti­on das Wich­ti­ge: Es muss immer Leu­te geben, die erzäh­len, und Leu­te, die zuhö­ren. Und dann soll­te hof­fent­lich der Aus­tausch beginnen.

Schau ins Blau: Kom­mu­ni­ka­ti­on ist ein gutes Stich­wort: Es gibt ja viel Raum zur Refle­xi­on über die Rol­le der Spra­che in die­sem Buch. Nicht nur durch das schon ange­spro­che­ne Erzäh­len, um sich selbst zu kon­stru­ie­ren, son­dern die Fra­ge nach der Spra­che auch hin­sicht­lich der Sprach­bar­rie­ren. Im Text tref­fen ver­schie­dens­te Lan­des­spra­chen auf­ein­an­der, es begeg­nen sich Angli­zis­men mit däni­schen und deut­schen Satz­fet­zen. Die Zei­chen­haf­tig­keit und die Viel­schich­tig­keit von Zei­chen eben­so wie die Fra­ge nach der Über­set­zung als Dimen­si­on der Begeg­nung sind also ein eben­falls zen­tra­les The­ma. Auch hier kann man wie­der an die Figur Sine den­ken, die man letzt­lich als Sym­bol der Zei­chen­haf­tig­keit selbst lesen kann: Sine, die am Ende nicht nur ihre Email-Adres­se mit dem para­dig­ma­ti­schen Namen „sign” ent­hüllt, son­dern die auch die Poly­va­lenz der Benen­nung selbst ver­kör­pert, indem ihr Name auf Latei­nisch „ohne” bedeu­tet — und somit letzt­lich also selbst als Hül­le, als Pro­jek­ti­on fun­giert. Wel­che Rol­le spielt also Spra­che in die­sem Buch?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Eine Gro­ße! Ich war sehr glück­lich, als ich damals die­sen Namen ent­deckt habe und ich habe lan­ge nach ihm gesucht. Der Aus­schlag für die­sen Namen war tat­säch­lich, dass man ihn in so vie­len unter­schied­li­chen Benen­nun­gen lesen kann und eben nicht nur im Eng­li­schen son­dern auch im Latei­ni­schen. Spra­che spielt immer wie­der eine sehr gro­ße Rol­le, auch in der Miss­kom­mu­ni­ka­ti­on, also man ver­steht sich ein­fach oft miss, und wenn man glo­bal unter­wegs ist gleich dop­pelt und drei­fach. Weil man zwar glaubt, man hat mit Eng­lisch eine Brü­cken­spra­che, aber jeder kommt doch aus einem völ­lig unter­schied­li­chen Sprach­kul­tur­kreis. Um dies zu erken­nen kommt mir mei­ne Arbeit als Regis­seu­rin zu Gute, für die ich sehr oft im Aus­land bin und eben­falls oft selbst mit unles­ba­ren Über­set­zun­gen kon­fron­tiert bin. Inso­fern ist das etwas, was mich als Autorin sehr inter­es­siert: Einer­seits bringt es die Leu­te näher, ande­rer­seits täuscht es auch Nähe vor, die gar nicht vor­han­den ist. Die­se For­mel­haf­tig­keit und auch die Dop­pel­bö­dig­keit von Spra­che auf­zu­zei­gen hat mich in dem Buch beson­ders gereizt.

Schau ins Blau: Ihr Text dreht sich außer­dem um Abschied und Neu­be­ginn, um das The­ma des Abschied-Neh­mens von einem Ande­ren als einer Mög­lich­keit des Neu­be­ginns für sich selbst. Ist der Weg des suk­zes­si­ven Abschied-Neh­mens von sei­ner so anwe­send-abwe­sen­den Freun­din für den namen­lo­sen Prot­ago­nis­ten eine Art Kathar­sis? Schließ­lich geht er den Weg anfäng­lich ja bewusst in ihrem Namen und auch in ihrer Iden­ti­tät, aber mit der Ges­te des Über­ge­bens der Bil­der — der Bil­der eines ande­ren Men­schen — beginnt schließ­lich die Kon­sti­tu­ti­on eines eige­nen genui­nen Selbst, oder zumin­dest besteht die Mög­lich­keit dazu…

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich hof­fe! Ich den­ke, Trau­er ist ein ganz schwie­ri­ger Pro­zess, für den es ein­fach kei­ne Gebrauchs­an­wei­sun­gen gibt. Und hier, in die­sem Fall, gelingt die Gegen­be­we­gung, von jeman­dem weg­zu­ge­hen, indem man sich jemand so tief in jeman­den hin­ein­ver­setzt, wie es eigent­lich gar nicht mög­lich ist. Tat­säch­lich eben mas­ke­ra­den­haft in die­se Iden­ti­tät schlüpft. ‚Die Zeit heilt alle Wun­den’ ist so ein Sprich­wort… Ich habe selbst einen Satz von Mr. Khin im Text, der sagt: „Trau­er kann man nicht durch die Zeit­schlei­fe dre­hen.”. Inso­fern den­ke ich, Trau­er wird sich immer die Zeit neh­men, die sie braucht. Ich hof­fe aber, sie ist heil­bar. In die­sem Fall sieht es ja ganz so aus.

Schau ins Blau: Ist der fina­le Abschied von der Regis­seu­rin, die ihn ja buch­stäb­lich beschrie­ben und geschaf­fen hat, auch eine Absa­ge an die bis dahin beklei­de­te Rol­le? Immer­hin scheint mit der Ges­te des Able­gens aller Rei­seu­ten­si­li­en vor Mr. Khins Haus ja auch ein Able­gen sei­ner bis­he­ri­gen Iden­ti­tät des Beschrie­be­nen ein­her­zu­ge­hen. Besteht für den Prot­ago­nis­ten dadurch also die Mög­lich­keit, den Weg jetzt für sich selbst zu gehen, Ver­ant­wor­tung für sich selbst zu über­neh­men und ab sofort sein eige­nes Dreh­buch zu schreiben?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Auf jeden Fall! So ist es auch gedacht. Dass er jetzt tat­säch­lich in der Lage ist, sich wie­der auf sich zu besin­nen, dass er jetzt wie­der sei­ne eige­nen Erfah­run­gen macht und dass er sich aus die­sem Kokon, in den er sich über den Ver­lauf des Buches ja auch letzt­end­lich hin­ein ver­puppt hat, gelöst hat. Wie weit er damit kommt, ist noch mal eine ande­re Sache, aber der Impuls ist jetzt zumin­dest gege­ben. Jetzt muss er das Bes­te dar­aus machen…

Schau ins Blau: Kann die­se Rei­se des Prot­ago­nis­ten auch als eine Rei­se des Abar­bei­tens an Schuld gele­sen wer­den? Es las­sen sich ja immer wie­der Anspie­lun­gen aus­ma­chen, dass er sich durch­aus schul­dig fühlt an dem, was sei­ner Freun­din pas­siert ist. Sei es, dass er nicht da war, als der Brand aus­ge­bro­chen ist — aus wel­chen Grün­den auch immer -, sei es die­ser sub­ti­le Ton zwi­schen den Zei­len, der einen Sui­zid nicht aus­schließt, indem sie ihm mit der SMS noch eine Art von medi­al über­form­tem Abschieds­brief schickt. Tritt er die Rei­se also nicht nur aus Trau­er an, son­dern auch als Mög­lich­keit, um die eige­ne Schuld zu über­win­den, die er selbst für sich fühlt?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Sicher! Ich den­ke, wenn sol­che Din­ge pas­sie­ren, fragt man sich immer, ob man sie hät­te ver­hin­dern kön­nen. Sei­en es Unfäl­le, sei­en es wirk­lich Sui­zi­de, sei­en es Krank­hei­ten. Ein­fach alles was gelieb­ten Men­schen zustößt. Man wähnt sich in sol­chen Momen­ten so ein biss­chen all­mäch­tig und glaubt: Hät­te ich — weiß ich nicht — jetzt in die­sem Moment noch ange­ru­fen, dann wäre sie nicht aus dem Haus gegan­gen, dann wäre der Las­ter nicht gleich um die Ecke gekom­men… Sol­che Gedan­ken­ket­ten hat, glau­be ich, jeder, wenn sol­che Din­ge ein­mal ins Leben tre­ten. Ande­rer­seits, man hat die­se All­macht nun mal nicht und es wer­den immer Din­ge pas­sie­ren, die man nicht kon­trol­lie­ren kann und für die man tat­säch­lich nicht ver­ant­wort­lich ist. Egal wie nahe man einem Men­schen steht oder gestan­den hat. Des­we­gen habe ich dar­auf auch nicht zu viel Fokus gelegt. Es war mir wich­tig, dass das als unter­schwel­li­ge Mög­lich­keit mit­spielt, aber das Gan­ze soll­te kei­ne Schuld­fahrt wer­den — es kommt ja auch kurz der Begriff der „Pil­ger­fahrt” vor; es soll­te kei­ne Wie­der­gut­ma­chung sein, die­se Reise.

Schau ins Blau: Die Kon­sti­tu­ti­on des Ichs über die Begeg­nung mit dem Ande­ren, die vor­hin bereits the­ma­ti­siert wor­den ist, wird ja auch als eine gefähr­li­che Sache für das Ich vor­ge­stellt, indem die Über­schrei­tung der Distanz zum Ande­ren auch immer wie­der zu Grenz­über­schrei­tun­gen dem eige­nen Ich gegen­über führt. Wie ist folg­lich die­ses Ver­hält­nis von Nähe und Distanz zu ver­or­ten, von Altru­is­mus und Selbstsorge?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ich den­ke auch, bei ihm ist das von Anfang an so eine Art Dop­pel­ge­sich­tig­keit. Nicht nur von der Anla­ge der Geschich­te her. Tat­säch­lich ist er zwar extrem weit von sich ent­fernt, aber sich ja trotz­dem gleich­zei­tig ganz nah, weil er nir­gend­wo anders sein kann in die­sem Moment und gar nicht anders han­deln kann. Das ist immer noch er: Er ist der­je­ni­ge, der beschließt, eine frem­de Iden­ti­tät als sei­ne aus­zu­ge­ben. Er ist der­je­ni­ge, der die Ent­schei­dun­gen trifft. Das heißt, sei­ne Ent­schei­dung ist auch, sich von sich selbst zu ent­fer­nen. Und dabei ist er sich dann selbst wie­der treu. Also hat man da auch eine Distanz und eine Nähe, die inein­an­der grei­fen und völ­lig untrenn­bar mit­ein­an­der ver­wo­ben sind.

Schau ins Blau: Ist die­ses Von-Sich-Ent­fer­nen und die Begeg­nung mit ande­ren Men­schen und Kul­tu­ren eine not­wen­di­ge Kom­po­nen­te, die den Prot­ago­nis­ten dann letzt­lich nicht zu sei­ner ursprüng­li­chen Iden­ti­tät zurück, son­dern ihn hin zu einem neu­en Selbst führt?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ja, ich glau­be, er wäre wahr­schein­lich in Deutsch­land gera­de nicht unter­ge­kom­men. Ich bin jetzt nicht unbe­dingt der Mei­nung, dass jeder, der Pro­ble­me hat, gleich nach Indi­en auf den Selbst­fin­dungs­trip gehen muss. Das will ich auch über­haupt nicht pro­pa­gie­ren. Ich glau­be aber schon, dass in dem Moment, in dem man inner­lich fest­steckt, eine äuße­re Ver­än­de­rung wie­der neue Impul­se geben kann. Dazu muss man jetzt nicht unbe­dingt in ein abso­lut frem­des Land rei­sen. Aber ich glau­be, wenn man sich äußer­lich in Bewe­gung setzt, auf Men­schen zu, auf Län­der zu, auf Ereig­nis­se, Bege­ben­hei­ten zu, dann gibt es da auch wie­der so eine Art Echo­lot und es wird in einem selbst wie­der etwas aus­ge­löst, was dann auch die eige­ne Fest­ge­fah­ren­heit wie­der in Bewe­gung set­zen kann.

Schau ins Blau: Eine abschlie­ßen­de Fra­ge: Hat eigent­lich jemand eine E‑Mail an Sines Mail-Adres­se geschrie­ben? Exis­tiert die­se Adresse?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Die gibt es, ja! Mein Lek­tor hat gesagt, ich soll mir die doch bit­te sichern las­sen und es sind tat­säch­lich mal Mails dort ein­ge­tru­delt. Auch inter­es­sant in der Form. Von: „Ich woll­te nur mal gucken”, bis hin zu „Hal­lo Sine”. Ich check’ das auch regel­mä­ßig. Das ist ganz inter­es­sant, man stellt so eine Adres­se in den Raum und plötz­lich gibt es tat­säch­lich Antworten.

Schau ins Blau: Und, haben Sie geantwortet?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Ja!

Schau ins Blau: Als Sine?

Chris­tia­ne Neu­de­cker: Das ent­schei­de ich dann von Fall zu Fall…

Schau ins Blau: Lie­be Frau Neu­de­cker, haben Sie vie­len herz­li­chen Dank für die­ses Gespräch.

 

Susan­ne Hein­rich wur­de 1985 bei Leip­zig gebo­ren. Sie ver­fass­te schon in ihrer Schul­zeit lite­ra­ri­sche Tex­te und stu­dier­te zeit­wei­se am Deut­schen Lite­ra­tur­in­sti­tut in Leip­zig. Zwi­schen 2005 und 2011 erhielt sie Auf­ent­halts-Sti­pen­di­en in Ber­lin, Los Ange­les und der Vil­la Mas­si­mo in Rom. In die­sen Jah­ren ver­öf­fent­li­che sie zwei Roma­ne und zwei Bän­de Erzählungen.

Ab 2012 stu­diert sie Regie an der Deut­schen Film- und Fern­seh­aka­de­mie Ber­lin. Mit Das melan­cho­li­sche Mäd­chen erschien 2019 ihr ers­ter Film, der von der Kri­tik viel­fach begeis­tert auf­ge­nom­men wur­de und bis­her mit dem Max-Ophüls-Preis und dem Drei-Län­der-Film­preis der Säch­si­schen Kunst­mi­nis­te­rin für den bes­ten Spiel­film aus­ge­zeich­net wurde.